Die verschiedenen Konstruktionen der Schultafel

DAS GROSSE BUCH DER SCHULTAFEL

 
 

Arten von Schultafeln um 1900


Die Standtafeln



1. Die einfachste Form der Ständertafel ist die Schultafel auf freistehender Holzstaffelei zum Zurücklegen. Sie hat den Vorzug, dass bei etwaigem Platzmangel die Schultafel samt Gestell auch an die Wand gelehnt werden kann. Statt der einfachen Staffelei werden auch solche mit Auflegebrett oder mit Feder und befestigtem Rahmen in Verwendung genommen. Die aufgelegte Tafel wird bei Malerstaffeleien an dem verschiebbaren Rahmen der Staffelei mit Sperrvorrichtung vollkommen festgehalten. Die Feder zum Aufund Abstellen findet an den vielen mit Metall ausgelegten Einschnitten der Mittelstütze ihren Ruhepunkt.


2. Die einfache Staffeleitafel findet in der Schultafel mit Staffelei zum Zurücklegen und Rahmen im Geleise eine praktische Verwendung. Das Hoch- und Tiefstellen, sowie das Umkehren wird dadurch sehr erleichtert.


3. Dieselbe Art der Ständertafel mit Rahmen im Geleise gewinnt durch Anbringung eines festen Fußes an äußerst sicherer Stand festigkeit. Diese Schultafel fand z. B. in allen Wiener Schulen Verwendung. Die Tafelfläche ist von nicht allzu großer Ausdehnung, beträgt 3 1/3 m2 und ist so leicht, dass dieselbe von einem zehnjährigen Kind mit Leichtigkeit höher und tiefer gestellt werden kann.


4. Von den einfachen Staffeleitafeln gehen wir über zu den Wendetafeln. Die Vorrichtungen zum Wenden sind so mannigfaltig, dass es kaum möglich wäre, auf diesem beschränkten Raume alle vorzuführen. Die einfachste Art der freistehenden Wendetafel ist jene, welche nach Art von Toiletten-Spiegeln sich um zwei fixe Achsen drehen lässt, aber meist nur in vertikaler Stellung benutzbar ist. Für die Schrägstellungen sind wieder eigene Vorrichtungen angebracht.


5. Soll die Tafel eine Schrägstellung ermöglichen, so eignen sich hierzu freistehende Staffeleien mit festem Fuß und Stellvorrichtung am schrägen Schenkel des Gestelles. Diese einfachen Wendetafeln werden auch drehbar im Rahmen. Alle diese Wendetafeln gestatten wohl die Benutzung beider Tafelflächen, haben aber den Nachteil, dass ein Höher- und Tieferstellen nicht möglich ist. Durch die stabile Höhenlage und die leichte Drehbarkeit eignen sich diese besonders für schwere Schiefertafelplatten.


6. Die primitivste Art der Ständertafel, welche auch zum Verstellen eingerichtet ist, zeigt nebenstehende Abbildung. Die Tafel kann aus den Einschnitten herausgehoben werden und in entsprechender Höhe Benutzung finden. Bei anderen Konstruktionen ist in den Gestellleisten eine Zahnung eingelassen, durch welche ein  Herausnehmen der Tafel aus dem Gestell nicht nötig ist, sondern durch bloßes Heben und Senken ein Höher- und Tieferstellen bewerkstelligt wird.







7. Als originell, aber immerhin praktisch muss die „Hussongsche dreiseitige Patent-Schultafel“ bezeichnet werden.


8. Komplizierter als die zuvor erwähnten Ständertafeln zum Verstellen und Drehen sind jene, welche mittels Kurbel und Zahnstange zum Hoch- und Niederstellen eingerichtet sind. Die Kurbel, welche abnehmbar ist, befindet sich an der Seite oder in der Mitte. Diese Tafeln ermöglichen auch ein Umwenden und Feststellen in verschiedenen Winkelgraden.


9. Als Ergänzung dieser Art von Wendetafeln möge die „Wex-Tafel“ im Eisengestell dienen. Die Einfachheit des ganzen Hebelmechanismus lässt aber sehr viel zu wünschen übrig. Zum Hoch- und Tiefstellen der Tafel dienen die angebrachten Knöpfchen.


10. Eine andere Art von Wendetafeln sind die auf Rollenstaffelei freihängenden Schultafeln, welche sich wie die bei den Wandtafeln beschriebenem System drehen und verstellen lassen. Diese Ständertafeln werden auch zum Hochund Niederstellen mittels Gegengewichte eingerichtet.


11. Wir sind nun bei den Zugtafeln angelangt. Auch hier kommen die verschiedensten Arten in Verwendung. Man kann wohl sagen, dass fast jede schon besprochene Art von Wandund Ständertafeln auch als Zugtafel eingerichtet wird und in den oft sehr komplizierten Konstruktionen in die Schulen einzieht. Obenstehende Zeichnung zeigt uns die einfache Zugund Wendetafel in freistehendem Ständer, bei welcher keine Gegengewichte sichtbar sind.


12. Die Verstellung der Tafel wird ferner durch zwei sichtbare an den rückwärts liegenden Kanten des Gestelles geführten Parallelgewichte bewirkt, welche mit dem Tafelrahmen durch zwei über Rollen geleitete Drahtseile verbunden sind. Statt der beiden Gegengewichte findet auch ein zirka 20 kg wiegender Eisenstab als Gegengewicht Verwendung.


13. Von den einfachen Zugtafeln mit Gegengewicht sei noch wegen ihrer eigenartigen Konstruktion die Ständertafel „Patent Lemcke“ erwähnt. Ständerzugtafeln mit einem Gegengewicht konstruierte auch nach diesem Muster August Fessler in Wien.


14. Den Übergang von der einfachen Ständertafel zu den Doppel-Ständertafeln bildet die rotierende Ständertafel. Die Vorteile dieser Rollen-Ständertafel sind dieselben wie bei der unter Punkt 8. beschriebenen Rollen- Wandtafel.


15. Wird statt des Gegengewichtes auch bei der einfachen Ständertafel eine zweite Tafel in Verbindung gebracht, so haben wir die einfachste Art der Doppelstaffelei mit Schiebe- und Wendetafel. Die beiden durch Scharniere oder fix miteinander verbundenen Teile tragen am oberen Querstück zwei Rollen, welche derart überkappt sind, dass die Drahtseile nicht abschlagen können. Die Staffelei selbst ist mit zwei die Ausspreizung der beiden Hälften stützenden beziehungsweise festhaltenden Seitenteilen versehen, welche beim Gebrauch der Tafel eingefügt und bei Außergebrauchssetzung derselben herausgenommen werden können, um dann diese, wie jede andere Staffelei zusammenzuklappen und beiseite setzen zu können, wenn für den letzteren Fall eine Raumersparnis wünschenswert erscheint oder auch die Tafel außer Betrieb gesetzt werden soll, um unnötige Hantierungen an derselben zu vermeiden.







16. Jede Art der einfachen Zugtafel kann wieder durch Anbringung einer zweiten Tafel statt des Gegengewichtes in eine Doppel-Zug- und Wendetafel umgestaltet werden. Die Tafeln sind hier wieder nur in vertikaler Stellung zu gebrauchen.


17. Dieselben Tafeln werden selbstverständlich auch mit schrägem Bockgestell hergestellt Die Rollenbewegung ist oberhalb des Gestelles sichtbar. Die Vorrichtung zum Umwenden der Tafeln befindet sich an der rechten Seite.


18. Entsprechend der einfachen Ständertafel mit Kurbelbewegung und Zahnstange wird auch eine solche Doppel-Ständertafel konstruiert.


19. Von den hängenden Doppel-Ständertafeln, bei welchen beide Tafeln zum Wenden eingerichtet sind, wäre das „Königs Doppelwandtafelgestell“ zu erwähnen. Dasselbe vereinigt eine Linol- und eine Holztafel in einem frei- und schräg stehendem auf Rollen verschiebbaren Gestell derart, dass jede Tafel für sich gewendet sowie in jeder beliebigen Höhe benutzt werden kann. Die Rollen und Drahtschnüre sind so angeordnet, dass ein Ecken, Klemmen oder Schiefhängen der Tafeln vollständig vermieden wird. Die hintere Strebe ist unten durch zwei starke nach rückwärts schräg zusammenlaufenden Verbindungsstützen derartig mit dem vorderen Gestell verbunden, dass beim Hin- und Herrollen ein Umkippen, wie dies bei alten Bockgestellen oft vorkommt, vollkommen ausgeschlossen ist. Auf Wunsch wird das Gestell auch für vier Tafeln mit über 10 m2 Fläche eingerichtet, wobei dann die beiden anderen Tafeln auf die Rückseite zu liegen kommen und genau so angeordnet sind wie die Tafeln der Vorderseite. Diese und alle anderen Stell- und Wende-Doppelschiebetafeln entsprechen den vielseitigen Wünschen, welche für die verschiedenen Zwecke des Unterrichtes gehegt werden könnten. Die Vorzüge sind so mannigfach, dass sie – die meisten wenigstens – als wirklich praktisch bezeichnet werden müssen. Die Doppelwandtafel bietet bei leichter Handhabung zweimal so viel Benutzungsfläche als die gewöhnliche Schultafel und gestattet für die eigene Bequemlichkeit beim Unterricht verschiedene Stellungen. Auch für die Schüler können die Arbeiten an der Doppeltafel unter Vermeidung des störenden Aufstehens gut verfolgt werden, weil die in die Höhe geschobene benützte Fläche nicht durch den Lehrer verdeckt wird. Man wird aber auch nicht gezwungen, oft wichtige Arbeiten wegen Platzmangels auszuwischen oder zwei besondere Tafeln aufzustellen, die so viel Raum beanspruchen, ein Vorteil, der gar nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Solche Arbeiten, welche ein zusammenhängendes Ganzes bilden, können mit besonderer Übersichtlichkeit und Deutlichkeit vorgeführt werden. So dürfte eine Doppeltafel ganz besonders der zusammenhängenden Darstellung mathematischer, physikalischer, geographischer Arbeiten etc. sehr zustatten kommen. Mit Rücksicht auf all diese Vorzüge kann die Doppel-Ständertafel als „Universaltafel“ bezeichnet werden.


Viele von den hier angeführten Tafelkonstruktionen lassen auf besondere Liebhaberei und übertriebene Erfinderlust schließen. Denn gerade die komplizierten Systeme und Konstruktionen für irgend eine Bewegungsart werden oft mit Mühe, wohl auch mit Vergnügen ausgetüftelt, welche jedoch in den meisten Fällen den bitteren Nachgeschmack unvorhergesehener Kosten und enttäuschter Hoffnungen bringen. Für die Schule eignen sich eben nur einfache Gebrauchstafeln, welche eine möglichste Stabilität der Konstruktion beziehungsweise Bewegungsvorrichtung aufweisen. Von den verschiedensten Arten der Federschnapp-Komplikationen, Zahnstangen mit Rädern zum Hoch- und Niederbewegen werden viele meist schnell reparaturbedürftig und erfordern oft genug mehr Handgriffe und Zeit, um sie wieder in gewünschte Gebrauchsfähigkeit zu setzen, als die einfachste Stellvorrichtung. Als Ausstellungsobjekte mögen viele der komplizierten Tafelsysteme sich vorzüglich eignen, für die Schule aber werde »Alles« genau geprüft und nur das »Beste« behalten. All diese Varianten besitzen ein großen gemeinsamen Vorteil, sie sind transportabel. Dieser Vorteil trat u. a. bei Unterricht in Gasthäusern zu Tage, was früher nicht unüblich war.

 
 

SCHULTAFEL.DE - Franz Wich
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